Einige Tage vor Weihnachten 2020. Während manche Leute noch die letzten Weihnachtsgeschenke einkaufen und einwickeln oder Weihnachtskekse backen, haben mein Bruder und ich andere Gedanken. Unser Weihnachtsgeschenk soll eine vorweihnachtliche Fischerei auf Karpfen werden. Die Temperaturen meinen es gut mit uns, der ausgewählte See ist noch eisfrei.

Dort angekommen wird zuerst das Schlauchboot aufgeblasen und zu Wasser gelassen. Bei der ersten Erkundungsfahrt schalteten wir das Echolot an. Dieses verriet uns eine Wassertemperatur von 3,5 Grad. Unter Wasser herrschte also definitiv Winter.

Oberstes Priorität neben dem Suchen von geeigneten Spots, legten wir zu Beginn auf eine hochattraktive Köderpräsentation.

Eine vielversprechende Stelle hatten wir mit einem Seerosenfeld direkt vor einer Insel gegenüber von unserem Angelplatz schnell gefunden. An den „Aus- und Eingängen“ zwischen Seerosenfeld und Insel wollten wir unsere Köder mit relativ wenig Beifutter präsentieren. Wie meistens bei kalten Wassertemperaturen vertrauten wir auf den Sweet Gold HNV Boilie in 16mm und 20mm als Futter. Ein bis zwei Hände davon pro Rute, darüber das dazu passende Sweet Gold Liquid. Mehr sollte es zu anfangs nicht werden.

Mit dem Hakenköder wollten wir uns von diesem äußerst attraktiven Beifutter nochmals abheben. Wir verwendeten pinke Aquatic Baits Pop ups in 16mm, die wir mit Bloodworm Jellypowder ummantelt hatten. So hofften wir einen trägen Winterkarpfen aus der Reserve zu locken.

Die Insel war von unserem Platz aus mit werfen nicht zu erreichen, also legten wir unsere Ruten mit dem Schlauchboot aus. So konnten wir schön nach freien Stellen suchen und das Beifutter direkt neben dem Hakenköder präsentieren.

Wir waren noch nicht mit dem Auslegen unserer Ruten fertig, meldete sich bei meinem Bruder der Bissanzeiger mit einem zaghaften Piepsen zum ersten Mal. Unser Köder hatte nach kurzer Zeit eine große Brasse als Abnehmer gefunden. Wir brachten die Rute wieder an ihren Platz und konnten die weiteren Ruten ebenfalls fertig auslegen. Nach kurzer Zeit meldete sich die erste Rute abermals. Diesmal hatten wir einen sehr großen Giebel gefangen.

Wir wussten bereits im Vorhinein über den ziemlich starken Bestand an großen Weißfischen in diesem See Bescheid. Jedoch hatten wir gehofft, dass sich diese bei den kalten Wassertemperaturen weniger beissfreudig zeigen.

Nun waren wir hin und hergerissen zwischen „Wir haben eine Stelle gefunden, an der Fische fressen!“ und „So kann es nicht die ganze Zeit weiter gehen.“

Wie bereits erwähnt mussten wir die Ruten jedes Mal mit dem Boot ausbringen, was natürlich immer wieder für Unruhe sorgte.

Nach einigen weiteren Beifängen beschlossen wir unsere Taktik für die Nacht umzustellen. Ich denke jeder kann es nachvollziehen, dass es im Dezember nicht wirklich Sinn der Sache ist in der Nacht mehrmals wegen Beifängen aufzustehen.

So beköderten wir unsere Ruten mit größeren Ködern, vorrangig mit 2 Stück 20mm Boilies. Für diese kalte Wassertemperatur erschien uns dies als zu großer Köder, aber wir wollten die Beifänge jedenfalls reduzieren. Dies gelang uns einigermaßen gut, die Nacht verlief relativ ruhig.

Am nächsten Morgen hieß es für uns weiter zu probieren. „So attraktiv wie möglich, aber so selektiv wie nötig.“ lautete unsere Devise.

Am Tag probierten wir an den unterschiedlichen Ruten verschiedene Köderpräsentationen. Das Chod – Rig mit dem pinken Pop – Up bescherte uns wiederum Beifänge, während die großen Bodenköder nicht angetastet wurden. Zwei Ruten bauten wir daraufhin auf einen Schneemann aus 20mm Sweet Gold Boilie kombiniert mit einem kleinen Pop up Dumbell um.

Diese Variante sollte sich für die gerade herrschenden Bedingungen als am besten herausstellen. Wir hatten weit weniger Beifänge als bei der Pop up Montage, konnten aber in Summe 3 Karpfen darauf landen.

Zufrieden, dass wir bei den Bedingungen unsere Zielfische gefangen hatten, machten wir uns am 23. Dezember wieder auf den Weg nach Hause. Und an Heiligabend wird bei uns in der Familie traditionell Bratwürstel mit Sauerkraut serviert. Kein Karpfen.

Patrick Schuster